Warum denn in die Ferne schweifen?

Ich reise fürs Leben gern. So oft ich kann, steige ich in den Zug oder ins Flugzeug und schaue mir die Welt an. Ein Privileg, das nicht allen gegönnt ist. Allerdings müssen es gar nicht immer die ganz grossen Sprünge sein, damit ein wenig Feriengefühl aufkommt. Am Sprichwort „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“ ist durchaus etwas dran. 

Am Bielersee

Ich bin gerne am, im und auf dem Wasser und ich habe ein Flair für keine hübsche Dörfer. Also ist mein Ziel für den Tag schnell gefunden. Das linke Bielerseeufer mit seinen Winzerdörfern und die St. Petersinsel sollen es sein.

Die Fahrt von Bern nach Biel dauert mit dem Zug nur gerade eine knappe halbe Stunde. Nach einem kurzen Fussmarsch vom Bahnhof zur Schiffländte geht es mit der „MS Chasseral“ während fast einer Stunde über den Bielersee zur St. Petersinsel.

St. Petersinsel

Dort lässt es sich gut verweilen; ein paar Stunden, den ganzen Tag oder auch länger. Wer nicht nur faul im Gras liegen und lesen möchte, so wie ich, kann das Eiland entlang zahlreicher Wanderwege erkunden. Überall hat es Feuer- und Badestellen und mittendrin thront das ehemalige Kloster, das heute Hotel und Restaurant ist.

Das Restaurant & Klosterhotel gehört zu den Swiss Historic Hotels. Übernachten kann man in einem der elf Zimmer oder in einer der zwei Suiten, ab 170 Franken pro Nacht, inklusive Frühstück, WLAN und Velos.

Wer es einfacher und günstiger mag, kann auf Schumachers Biohof gleich nebenan im Stroh schlafen. Das ist von Mai bis Oktober möglich und kostet mit Frühstück 50 Franken pro Nacht.

Winzerdörfer

Anstatt von der St. Petersinsel wieder mit dem Schiff nach Biel zu schippern, fahre ich nach Ligerz. Es ist wegen seiner Wallfahrtskirche wohl das bekannteste der Winzerdörfer am linken Bielerseeufer. Mich zieht das Örtchen mit dem Kopfsteinpflaster, den von Reben und Rosen bewachsenen alten Häusern, den engen Gässchen und seinem südländischen Charme sofort in seinen Bann.

Auf dem Rebenweg

Ich muss mich entscheiden. Nehme ich den Rebenweg in Richtung Biel oder spaziere ich dem Seeufer entlang? Ich wähle den Rebenweg. Er führt mit hoch zur Wallfahrtskirche von Ligerz

Der Ausblick hinunter auf Ligerz, den Bielersee und die St. Petersinsel ist grandios. Kein Wunder wählen jedes Jahr viele Heiratswillige aus der Region, der ganzen Schweiz und sogar aus dem Ausland diesen Ort, um sich das Ja-Wort zu geben.

Der Uferweg

Nun zieht es mich doch wieder runter ans Wasser. Ich beschliesse, bis Tüscherz am Bielersee entlang zu spazieren. In Twann mache ich eine kurze Badepause. Ausser mir und ein paar Enten wagt sich niemand in das noch ziemlich kühle Nass. Ich finde es herrlich.

Übrigens: der Uferweg von Ligerz nach Twann wird auch Fischweg genannt. Es ist der erste Fischlehrpfad der Schweiz mit neun Stationen, die über die heimischen Fische und die Fischer vom Bielersee Auskunft geben.

Weil die Wolken am Himmel immer dunkler und bedrohlicher werden, steige ich bereits in Tüscherz wieder in den Zug, anstatt bis nach Biel zu wandern. Auf dem Weg nach Bern lasse ich den Tag Revue passieren; es ist tatsächlich so: das Gute liegt so nah.

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