Palette Bern – mein erster Besuch in einem „unverpackt Laden“

Direkt beim Münster liegt der schnüselige Laden „Palette – unverpackt einkaufen“. Hier erhält man Getreide, Nüsse, Trockenfrüchte, Seife und vieles mehr. Alles unverpackt, das meiste bio und regional. Komm mit und kauf ein mit Juteseckli, Vorratsglas und Tupperware. 

Samstag, 15:42 Uhr. Ich stehe in der Küche und packe meine Einkäufe aus. Die Bio Zuchhettis muss ich aus dem eingeschweissten Plastik befreien, von dem Apfel, Sorte Jazz, klaube ich den Sticker, die Haferflocken leere ich vom Plastikbeutel in ein Schraubglas, die Kokosmilch kommt im Tetrapak in den Kühlschrank, die Dose Kichererbsen ins Regal, die Zwiebeln habe ich in einem Plastikseckli transportiert und die Putzlappen stecken in einer Kartonverpackung. Und das ist noch nicht alles. Bei fast jedem Produkt landete etwas im Müll.

Eigentlich gaga, diese Verpackungswut.

Das finden auch Ariane und ihre Freunde Christoph, Sarah und Samuel. Und deshalb gründeten sie mit Palette den ersten Laden in Bern, in dem nur unverpackte Artikel erhältlich sind.

Mein Einkauf bei Palette

Als ich vom Konzept gelesen habe, hat mich der Gwunder gepackt und ich kaufte meine Vorräte für einmal nicht im Migros, sondern bei Palette.

In der unteren Altstadt, an der Münstergasse 18, ist Palette seit einem knappen Jahr zu finden. Hier werde ich wie alle andere Kunden herzlich begrüsst. Man bekommt einen Kaffee, ein nettes Lächeln und einen Schwatz angeboten. Ich merke: Die Gründer stecken ihr ganzes Herzblut in dieses Lädeli.

Aber jetzt will ich einkaufen.

So einfach funktioniert’s:

  1. Bringe dein eigenes Gefäss mit oder miete ein Depotseckli
  2. Wiege dein Gefäss und notiere dir das Gewicht
  3. Fülle von deinem gewünschten Produkt ab
  4. Bezahle an der Kasse nach Gewicht des Inhaltes

Als Behälter eignen sich Tupperware, Bügelglas oder Dose. Du kannst bei Palette aber auch das passende Gefäss oder ein super hübsches Seckli für den Transport nach Hause kaufen. Alternativ kann man ein Depotseckli für 5 Franken mieten und beim nächsten Einkauf wieder zurückgeben (4.– Depot/1.– Waschen).

Das Sortiment kann sich sehen lassen. Von Getreide, Reis, Müesli, Teigwaren, Hülsenfrüchten über Nüsse und Trockenfrüchte bis zu Kaffee, Backwaren und Gewürzen ist hier fast alles erhältlich. Zudem bietet Palette in der Sparte Non-Food Tolles wie Brotboxen, Seifen und Abwaschmittel an. Und die Preise sind attraktiv: Das meiste ist günstiger als bei den Grosshändlern.

Palette = biologisch und fair produzierte Ware zu vernünftigen Preisen und ohne Verpackung

Was ich super finde: Man kann von allem genau so viel nehmen, wie man wirklich braucht.

Mein persönliches Fazit: Tolle, sympathische Idee, hinter der ich stehen kann. Für mich aber nicht ganz alltagstauglich, da ich oft auf dem Nachhauseweg einkaufe und dann nicht die geeigneten Behälter dabei habe. Palette ist für mich aber eine tolle Samstags-Option: Zuerst auf den Märit, dann zu Palette.

5 Fragen ans Palette-Team

Weshalb habt ihr Palette gegründet?

Seit Jahren hegen wir den Wunsch, einen kleinen Beitrag an eine nachhaltigere Gesellschaft zu leisten. Die Frage, wie wir etwas gegen die Ungleichheit und die Zerstörung der Umwelt tun können, beschäftigt und schon lange. Mit dem Konzept und der Wahl des Sortiments von Palette konnten wir diesem Wunsch auf verschiedenen Ebenen begegnen: Reduktion des Abfallberges und der Lebensmittelverschwendung, Stärkung fairer Arbeitsbedingungen und der nachhaltigen Produktion von Waren.

Was ist das Spezielle an eurem Konzept?

Palette verkauft als einer der ersten Läden in Bern biologische und fair produzierte Waren unverpackt.
Das verpackungslose Einkaufen und der enge Kontakt zu unseren Kunden war uns bei der Konzeption ein zentrales Anliegen. Das Abfüllen der selbst mitgebrachten Behältnissen macht das Einkaufen zum interaktiven Erlebnis.

Plant ihr, das Sortiment zu erweitern?

Wir sind laufend daran, das Sortiment zu erweitern und zu verfeinern. Gerade sind wir daran die Produktepalette der Hygiene-, Alltags- und Reinigunsprodukte zu erweitern. Aber auch im Food Bereich wird es neue Produkte geben, wie zum Beispiel Honig, getrocknete Tomaten oder Milch. Zudem prüfen wir, ob wir offenen Wein oder Bier anbieten können.

Welches ist euer Lieblingsprodukt, das ihr verkauft?

Oh, da gibt es ganz viele! Der Abwaschcake von Naturmel aus dem Berner Jura zum Beispiel: Eine Seife in einem Glas zum Abwaschen, von der man wenig braucht und die man immer wieder ersetzen kann – also alles ohne Verpackung. Oder die feinen getrockneten Birnenschnitze von Obereichi. Oder die grünen Linsen aus Epsach.

Wo bezieht ihr eure Produkte?

Sofern möglich, möchten wir Produkte aus der Region verkaufen. Daher beliefern uns verschiedene Bio-Bauernhöfe oder Kleinbetriebe aus der Umgebung. Einige Produkte können wir jedoch nicht direkt aus der Region beziehen. Hier arbeiten wir mit grösseren Biohändler (z. B. Biofarm oder Mahler&Co) zusammen.

 

Und es gibt noch mehr

Der Trend des abfallfreien Einkaufens ist definitiv in Bern angekommen:

  • Der gemeinnützige Verein Bern Unverpackt ist ein Crowdfunding-Projekt, das schon bald einen unverpackt Laden im Werkhof102 integrieren will. Wir sind gespannt!
  • Seit letztem Herbst kann man ausserdem im i-lade im Spiegel unverpackte Lebensmittel (auch Frischprodukte) einkaufen.
  • Und wie ihr vielleicht wissen, gibt es auch im LOLA Lorraineladen eine Insel, an der du deine mitgebrachten Behälter mit Reis, Cornflakes, Zucker und vielem mehr füllen kannst.

 


Fotos: Yasmina Heni (purplelens.ch)

1 Comment

  • Maaike
    6. April 2018 12:34

    Mega cool! Merci für den tipp!

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