Museumsnacht: Heimspiel für Sandra Künzi

Am 17. März öffnen die Berner Museen bis um zwei Uhr nachts ihre Türen. An allen Standorte erwartet das Publikum während der Museumsnacht ein Mix aus Vorträgen und Kunstdarbietungen. In der Bibliothek Münstergasse wird die Berner Spoken-Word-Künstlerin Sandra Künzi ihre Texte performen.

Sandra Künzi ist Slam Poetin der ersten Generation. Vor 20 Jahren, als viele der heutigen Poetry Slam-Stars noch keine zusammenhängenden Sätze sprechen konnten, sah Sandra ihren ersten Slam. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits in diversen Punkbands gesungen und Gitarre gespielt. Das Format Poetry Slam gefiel ihr so gut, dass sie ihre Begeisterung in Produktivität kanalisierte und rasch mit ihren eigenen Texten auftrat. „Das schnelle und Feedback des Publikums liebe ich an Poetry Slams. Wie unbefriedigend es für Romanautorinnen sein muss, keinen direkten Kontakt zur Leserschaft zu haben“, beschreibt sie ihre Faszination für die live performten Texte.

Spiel mit den Dialekten

Bald dehnte sie ihre Aktivität in der Spoken-Word-Szene aus, trat auch abseits von der Slam-Bühne mit ihren oft politisch gefärbten Geschichten auf. Nahm Hörspiele auf und veröffentlichte 2013 das Buch Mikronowellen, eine Sammlung von kurzen Texten. Einen davon mag Sandra besonders: Godibama, im Buch „A Godi si change“ genannt. Ein Weisser betritt seine Stammkneipe „casual as always“, mit dem Unterschied, dass er ab sofort mit einem „schwarze Gring“ durch die Welt zieht und seine Kollegen auffordert, ihn „Godibama“ zu nennen. Im Gegensatz zur Mehrheit ihrer Texte, ist Godibama in Berndeutsch verfasst. „Obwohl ich im Alltag Zürcherdialekt spreche, schreibe ich einige Texten gezielt in Berndeutsch. Dieser Dialekt erzeugt eine Volksnähe, dient also als Stilmittel.“ Dass die 48-jährige beide Kantonssprachen beherrscht, kommt daher, dass sie im Kanton Schwyz mit einem Thuner Vater aufgewachsen ist.

Im Duo an der Museumsnacht

Mittlerweile wohnt sie seit 22 Jahren in Bern und hat einen 5-jährigen Sohn. Inspiration für ihr Schaffen findet sie beim Baden in der Aare oder an einem ihrer Berner ihrem Lieblingsplätze, dem Fischteich beim Salemspital oder im Botanischen Garten Bern. So idyllisch das klingen mag: Schreibarbeit ist Knochenarbeit. Viel Stunden tippe sie daheim, feile eifrig an den Sätzen, um am Schluss nur zehn Prozent der Arbeit gebrauchen zu können. Einen Ausschnitt davon kann man ab sofort auf Radio RaBe hören. Für das Nachrichten- und Hintergrundmagazin „RaBe-Info“ bloggt Sandra Künzi im Wechsel mit dem Autor Guy Krneta und den Politikerinnen Tamara Fuiciello und Claudine Esseiva. Wer sich nicht mit Sandras Stimme begnügt, kann sie an der Museumsnacht live erleben. Zusammen mit der Bassistin Reg Fry performt sie in der Bibliothek Münstergasse drei Sets Musik und Texte, ganz nach dem Motto „Heisse Ohren im Schultheissensaal“.

Sandra Künzis Tipps für die Museumsnacht

  • Heiliggeistkirche – Fliegende Fische: Fliegende Fische, die sich durch den Kirchenraum steuern lassen. Die Fische fliegen jeweils zwischen den Veranstaltungsblöcken zur vollen Stunde, 18:00 bis 22:00 Uhr
  • Naturhistorisches Museum – Percussions-Crashkurs: Karnevalsfieber mit der Sambatruppe G.R.E.S. Fogo Sambajo, 18:00 bis 23:00 Uhr, stündlich, Dauer ca. 20 Minuten
  • Lichtspiel – Mit Farben dreidimensional: Buddy Valide und Kardinal C. lassen in ihrer 3D-Show bunt gemischtes Kinovolk aus der Leinwand springen. Für alle Liebhaber von Farbfilterbrillen, stereoskopischem Spielzeug und vergnügtem Gekreisch, 18:00 bis 02:00 Uhr, stündlich

Fotos: Steve Nhan Duc

Der vorliegende Blogpost ist in Zusammenarbeit mit den museen bern entstanden. Wie immer kannst du dir auch bei solchen Beiträgen sicher sein, dass es sich um unsere ehrliche Meinung handelt.

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