Mittagessen bei Fremden am Tisch: Die Idee hinter «Margrit» (von Gastautorin Pascale Amez)

Margrit Mittagstisch Bern 2

Früher verbrachten die meisten von uns die Mittagspause zu Hause und schlemmten in familiärer Atmosphäre hausgemachte Gerichte. Dank der Online-Plattform «Margrit» ist das jetzt wieder möglich. Bärner Meitschi und Gastautorin Pascale hat es ausprobiert. 

Der Erfolg von Airbnb macht es vor: Sharing is caring. Beim Schweizer Startup «Margrit» können Menschen statt ihrer Unterkunft, den eigenen Mittagstisch teilen. Wer mittags zuhause kocht und am Tisch noch freie Plätze hat, stellt diese auf der Online-Plattform anderen zur Verfügung. So kommen unterschiedlichste Menschen zusammen und im besten Fall entsteht bei feinem Essen in heimeliger Atmosphäre ein interessanter Austausch.

Margrit Mittagstisch 3

Wie funktioniert «Margrit» genau?

Als meine Freundin Claudia ein Angebot erstellte und mich zu ihrem Mittagstisch einlud, hatte ich die perfekte Gelegenheit, es endlich auszuprobieren. Im Wissen jemanden zu kennen, geht sowas immer etwas leichter.

Sich für einen Mittagstisch anzumelden, ist einfach: Zuerst erstelle ich ein Konto mit einem Kurzbeschrieb über mich und bereits danach kann ich mich mit einem Klick für einen Mittagstisch meiner Wahl anmelden. Auf einer Karte werden mir alle Angebote mit den gewählten Kriterien angezeigt. Die Resultate kann ich auch nach Ernährungsart filtern, das ist besonders für mich als Veganerin sehr hilfreich.

Ich wähle also das Mittagessen von Claudia «Orientalisches Buffet» aus und erhalte nähere Informationen zum Gericht. Dann melde ich mich an. Nun hat die Gastgeberin Zeit, meine Anmeldung zu akzeptieren oder abzulehnen. Bezahlt wird nach bestätigter Anmeldung ganz unkompliziert mit Kreditkarte.

Margrit Mittagstisch Orientalisches Buffet

Mein Besuch am Mittagstisch

Zusammen mit Stefan, einem Arbeitskollegen der sich auch für den Mittagstisch angemeldet hat, radeln wir an einem sonnigen Donnerstag neugierig zur angegebenen Adresse. Claudia begrüsst uns herzlich und in der Wohnung riecht es bereits himmlisch! Wir lernen Esther, einen weiteren Gast, kennen und ich bestaune Claudias schöne Einrichtung und den liebevoll gedeckten Tisch. Mein Magen knurrt schon «es bitzeli».  Ein paar Minuten später trifft auch der letzte Gast, Christian, ein. Wir stellen uns gegenseitig vor und sprechen einige Minuten über die Umstände, die uns zusammengeführt haben.

Dann richtet Claudia das Essen an: Es sieht wunderschön aus und wir machen einige Erinnerungsfotos. Noch etwas verlegen nehmen wir uns je einen Teller und beginnen, das Essen zu schöpfen. Am Tisch plaudern wir über das feine Essen und das Wetter, welches wieder einmal Kapriolen schlägt. Bereits jetzt fühlt sich das Mittagessen wie ein tolles Erlebnis an: das heimelige Gefühl von früher ist in einer ähnlichen Form zurück. Diese Atmosphäre zaubert ein wohlig, warmes Gefühl. Während wir essen, drehen sich die Gespräche meist um unverfängliche Themen wie ähnliche Online-Plattformen und mögliche Zubereitungsarten für Zucchetti. Ab und zu fallen aber auch persönliche Aussagen, wir lernen uns etwas besser kennen. Es ist eine lustige, unbeschwerte und unterhaltsame Runde.

Margrit Mittagessen

Die Zeit verfliegt im Nu und kaum sind die Teller leer, muss Esther bereits gehen. Das ist jedoch kein Problem, niemand ist verpflichtet, noch länger sitzen zu bleiben. Wir restlichen Gäste geniessen zusammen mit Claudia noch einen Kaffee. Bald ist auch unsere Mittagszeit vorbei und wir machen uns wieder auf den Weg zurück zur Arbeit. Jeder geht dorthin, wo er hergekommen ist, aber mit einem Erlebnis und vielen Eindrücken mehr im Gepäck. Bei mir sind diese durchwegs positiv und insgeheim kann ich das nächste Essen bei Claudia kaum erwarten. 🙂

Für mich war es ein idealer Einsteig, da ich die Hälfte der Personen bereits kannte. Dadurch war die Hemmschwelle nicht mehr so gross. Seither halte ich Ausschau nach weiteren Mittagessen in der Stadt. Leider kochen im Raum Bern erst wenige und wenn, dann höchst selten vegan. Ich denke jedoch, dass Margrit bald mehr Zulauf finden wird. Dieser erste Besuch hat mir nämlich gezeigt, wie wertvoll so ein Austausch in fremder Umgebung, begleitet von feinem Essen, sein kann. Zudem plane ich, bald einmal auch selber für Gäste zu kochen.

Claudia Margrit Mittagstisch

Margrit will die Gesellschaft näher zusammenbringen

Tobias und Stefan Ganz gründeten Margrit aus dem Wunsch nach feinem und liebevoll zubereiteten Zmittag heraus. Sie waren gelangweilt vom Kantinenessen und Sandwiches vor dem Computer und erinnerten sich an ihre Kindheit, als sie bei Grosi Margrit am Mittag verwöhnt wurden. Ihre Idee stiess im Umfeld auf grosse Resonanz und so entstand die Online-Plattform.

Gemeinsames Essen hat einen hohen Wert in unserer Kultur, rückt aber wegen anderen Verpflichtungen immer mehr in den Hintergrund. Dabei wäre es die perfekte Gelegenheit, um sich zu unterhalten, gemeinsam zu lachen und einen wertvollen Moment zu teilen. Margrit will Menschen auf der ganzen Welt wieder an einen Mittagstisch bringen. Damit soll die Gesellschaft ein bisschen näher zusammen rücken. Mittagessen für Mittagessen.

Pascale Amez

Über die Gastautorin Pascale Amez

Die gebürtige Thunerin hat es eigentlich mehr mit Bildern, statt mit Worten. Ihr Fjällräven-Rucksack begleitet sie auf all ihren neuen Abenteuern. Wohin diese führen, weiss sie nicht, aber das ist auch egal. Das was sie tut, macht sie mit Liebe und Begeisterung. So auch ihr neustes Projekt: Apricots & Lemons. In ihrem neuen Blog stellt sie unter Beweis, dass sie alles lernen kann. Auch das Schreiben.

Fotos: Pascale AmezJenny Banaszak

 

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