Likes durch Lächeln ersetzen

Disconnect – ein Film, der zeigt, wie man sich trotz permanenter Verbindung vom eigenen Leben und den Liebsten entfernt. Ein Blick auf die weniger glänzende Seite des Internets.

Am vergangenen Sonntag wurde im Orangecinema auf der grossen Schanze die Vorpremiere von Disconnect gezeigt. Ein Film über die Macht von sozialen Medien. Drei parallele Geschichten zeigen mögliche Auswirkungen beim unbedachten Umgang auf und mit Plattformen im Internet. Da wäre einmal der einsame Teenager, der sich in ein Mädchen verliebt, das es gar nicht gibt. Das Profil haben zwei Schulkameraden erstellt. Sie wollen ihn veräppeln, sind sich der Konsequenzen aber nicht bewusst. Dann die junge Mutter, deren Kind gestorben ist, ihr Mann aber nicht mit ihr darüber reden will oder kann, weswegen sie ihren ganzen Kummer einem Fremden im Chatroom anvertraut. Die Bindung zwischen ihr und dem Mann im Internet ist stärker als jene zu ihrem Ehemann. Und dann die Geschichte zwischen der Reporterin und ihrem Interviewpartner, der seinen Lebensunterhalt im Live-Chat verdient. Die Geschichten sind glaubwürdig, die Message klar.

Als Blogger sind wir bekennende Liebhaber von Online-Medien und kennen ihre Vorteile. Die Kommunikation via Internet bietet riesige Vorteile, keine Frage. Gerade im Austausch mit Freunden und Familie im Ausland wird vieles einfacher, schneller und günstiger. Dabei gehen die Nachteile schnell vergessen oder werden ausgeblendet. Zu übertrieben scheinen die Geschichten, die kursieren. Einem selbst würde so etwas nie passieren, denkt man. Auf Sicherheitseinstellungen und Datenschutz will ich hier nicht eingehen. Das Thema ist bekannt und nützliche Information leicht zu finden. Eine andere Facette des Films scheint mir mindestens so wichtig.

Die physische Welt könnte noch viel mehr Likes vertragen. Versteht meinen heutigen Beitrag darum als Aufforderung. Eine Aufforderung, Likes in der physischen Welt zu verteilen. Man stelle sich vor, dass jedes Like, das ihr im Internet abgebt, gleichzeitig ein Lächeln, ein Schulterklopfen oder eine Umarmung in eurer Umgebung auslöst. Ein schönes Bild. In diesem Sinne fordere ich euch auf, geht auf die Leute zu, die ihr gut findet. Sagt ihnen, wenn euch gefällt, was sie tun, sagen oder tragen. Sucht das Gespräch, lernt Leute kennen und freut euch über den persönlichen Kontakt. Nutzt die bediente anstelle der unpersönlichen Kasse in der Ikea. Fangt ein Gespräch mit eurem Sitznachbarn an.

Klingt einfach? Stimmt. Ist es einfach? Finde ich nicht und mache darum den Anfang. Beim nächsten Mal, wenn ich Basti treffe, sage ich ihm, dass mir gefällt, wie er seine Foto-Experimente mit der ganzen Welt teilt. Ich habe schon einiges von ihm gelernt, aber mich noch nie dafür bedankt, weil ich ihn nicht gut kenne. Basti ist ausserdem so nett, seine Verlosung von 3x 2 Tickets für The Great Gatsby am Freitag, 23. August nicht nur seinen Lesern sondern auch unseren zu Verfügung stellt. Wer also noch nicht im Orangecinema Bern war in diesem Sommer, soll sich sputen. Es läuft noch 10 Tage und hält Highlights bereit wie Skyfall, Les Misérables und Django Unchained.

Mit gutem Vorsatz, eure Helena

P.S. Der Film Disconnect ist ab 26. September im Kino.

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