A foreigners guide to Washington D.C.

Für acht Monate tauchte Bärner Meitschi Jessica in die Hauptstadt der Vereinigten Staaten ein und fand neben Höchst- und Tiefsttemperaturen, europäisches Quartierflair mit vorzüglichen Restaurants, ein pulsierendes Kulturangebot und eine interessante Bevölkerung vor.

Nun sind es genau 8 Monate her seit ich mich der Washington Deluxe Bus von New York beim Dupont Circle – und ohne meines Erahnens mitten im Herzen dieser Bürokratenstadt – zurückliess. Damals herrschte noch sibirische Kälte, der ich mich heute in der feuchten Sommerhitze bei Temperaturen um die 30 Grad mit 86% Luftfeuchtigkeit nur schwer entsinnen kann. In all diesen Monaten ist mir aufgefallen, dass die Bevölkerung in der Stadt  zwischen 25-40 Jahre alt ist und einem anspruchsvollen Lebensstil nachgeht. Hier treibt jeder Sport. Egal zu welcher Uhrzeit ich das Haus verlasse, sehe ich nach zwei Minuten einen Jogger vorbeiziehen. Im Rock Creek Park wärs ja viel schöner. Da habe ich das Gefühl zuhause an der schönen grünen Aare entlang zu joggen. Viele sind aber vor und nach der Arbeit auf dem Weg ins Fitness oder gehen mit ihrem Hund spazieren. Neben den rund 70% unverheirateten Menschen gibt’s hier nämlich auch jede Menge Vierbeiner – wohl um die Zweisamkeit trotz Karriere zu erhalten. Commitment issues und ein Mangel an Zeit treiben dann auch Viele zum Online Daten. Damit habe ich ja bereits meine Erfahrungen gemacht. Die wenigsten Menschen, die ich getroffen habe, stammen aus der Region, sondern sind für die Arbeit nach DC gezogen – eine Beamtenstadt, die genau von diesem Zulauf an nationalen und internationalen Karrieremenschen dominiert wird und in erster Linie auf Convenience ausgelegt ist.

Dass DC allerdings noch jede Menge an kulturellen Höhepunkten und Events zu bieten hat, entdeckte ich in zahlreichen Afterwork- und Wochenendexkursionen. Nachfolgend eine kleine aber feine Auswahl der Orte nach Quartieren von denen ich und meine abenteuerlustigen Arbeitskolleginnen nicht genug kriegen konnten:
– Adams Morgan oder AdMo ist mein Wohnquartier. Das Leben spielt sich grösstenteils an der 18th Street ab. Am Wochenende erinnert der nördliche Teil der Strasse ja eher an jede Ferieninsel im Mittelmeer, die von einer Horde angetrunkener, halbnackten Menschen eingenommen wurde, die im Lichte der Neon-Schilder nach Gleichgesinnten suchen. Nach ausgiebiger Auskundschaft bietet das Quartier allerdings eine Menge köstlicher Restaurants mit Brunch & Kaffee bei Tryst, afghanischen Spezialitäten im Lapis, vorzügliche frische Pasta bei Pasta Mia, koreanische Köstlichkeiten im Bul, japanischem Street-Food Donburi auch mein persönliches Lieblingsrestaurant mit eritreischen Gerichten bei Keren, um nur eine Auswahl zu nennen. Die wohl schönste Dachterrasse mit einer vorzüglichen Sushi-Happy-Hour bietet Perry’s, obwohl ich sicherlich eine Unmenge an 2$-Tacos bei Johnny Pistolas gegessen habe. Mein Happy Place in AdMo finde ich am Samstagmorgen auf der kleinen Terrasse der Three Fifty Bakery, wo ich meinen Soya-Cappucino und einen Gingerscone geniesse und den vorbeiziehenden Menschen nachschaue. Abends empfielt sich einen köstlichen Cocktail bei Bar Charley zu nehmen (eine gute Wahl für ein erstes Date) oder bei Madams Organ zu live Musik zu tanzen. Nachtaktive ziehts früher oder später zu einer der zahlreichen Imbissbuden, wobei ein Jumbo Slice Pizzastück (ja Jumbo trifft zu) bei Duccinis ein Must ist.
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– Shaw ist wohl eines der geschichtsträchtigsten Quartiere in DC und mein Wahlquartier. Es diente Mitte des 20. Jahrhunderts als Zentrum der afro-amerikanischen Kultur, fiel jedoch in den 1968er-Riots grösstenteils Brandanschlägen zum Opfer. Einziges unversehrtes Lokal, das an ehemalige Zeiten erinnert, ist Bens Chili Bowl – eine Imbissbude, die heute auch dank Obamas Besuchen als Kultstätte gilt. Mehr über die Geschichte des Quartiers erfährt man im Busboys and Poets, einem Restaurant, das neben den besten sweet potato Pancakes auch einen Buchladen bietet. Für einen Drink empfielt sich das industrielle Flair der American Ice Company, den all-American Charakter des Sattelite Rooms, die Dachterrasse vom Marvin, ein hauseigenes Bier bei Right Proper oder für etwas mehr Klasse, das Speak-easy Gibson.  Um noch einen weiteren Biergarten zu erwähnen (regionale Kleinbrauereien sind halt der Hit hier): Bei Dacha gibts lokales und deutsches Bier im grün-überwachsenen Gärtchen. Die besten Ramen-Nudeln hatte ich bei Chaplins‘, das nur einige Minuten südlich davon gelegen ist. Durchs Quartier verläuft die bekannte U Street, die Abends neben U Street Music Hall auch die kleine, etwas abgefakte (triffts genau) Velvet Lounge für Konzerte bietet. Zum Feiern gibts neben Flash, dessen Juwel das kürzlich eröffnete Rooftop ist, und der Gay Sportsbar Nellies nur einen Klub, der als Konzertstätte in aller Munde ist: 9:30.
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– Columbia Heights zeigt sich an der 11th Street von seiner interessantesten Seite. Fürs Brunchen ist The Coupe die beste Wahl, hier lohnt es sich sogar die 20 Minuten auf den Tisch zu warten. Für den Kaffee würde ich jedoch die 5 min zur Georgia Ave in den Colony Club auf mich nehmen. Ein unerwartet stilvolles Kaffee mit Ping-Pong-Tisch im ersten Stock. Frisches Frühstück gibts Samstagmorens mit Scones und Blueberries auf dem Farmers Market auf dem Lamont Square, unweit davon ist zudem Flying Fish – eine gute Adresse für den Kaffee und die Biscottis. Fürs Abendessen oder zum Date empfielt sich Room 11 oder die etwas relaxtere Atmosphäre bei mexikanischen Spezialitäten im El Chucho. Das Mi Cuba Café ist ein unauffälliges Restaurant, das mit köstlichen kubanischen Gerichten überzeugt. Der grösste Magnet für Individualisten und Selbstdarsteller ist der Wonderland Ballroom, der neben einer Terrasse zum People-watching, eine abgefakte Bar und Tanzfläche anzubieten hat.
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 – Dupont bietet im Herzen einen Kreisel (Dupont Circle) mit Grünfläche, der öfters in Openair Kinos, Spielstätte für Sportübertragungen, Tanzfläche für Silent Discos, Schlachtfeld für Schneeballkämpfe oder zum Ausgangspunkt für Critical Mass Fahrradtouren umgewandelt wird. Rund herum findet man Samstag am Fusse des nördlichen Ausgangs der Metrostationallerlei regionale Produkte auf dem Farmers Market, köstliche (und riesige) Croissants bei der Firehook Bakery, die leckersten und billigsten(!) Bagels in DC bei Bagels etc, ausgezeichnetes Sushi geniesst man bei Sakana und frische Salate fürs Mittagessen bei Sweetgreen (zu erwähnen auch wenns eine Restaurantkette ist). Das beste Gelati in DC hat wohl Dolcezza, wobei der Espresso dazu auch köstlich schmeckt. Abends ist südlich vom Dupont an der 19th Street im Sauf Haus mit Biergarten auf der Terrasse und Live-Musik immer eine Horde Menschen anzutreffen. Später ziehts Liebhaber von kommerziellem HipHop ins Ozio und fürs Tanzen zu elektronischen Klängen empfehle ich die Eighteen Street Lounge.
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Bloomingdale: Einen Abstecher ins kleine Bloomingdale-Quartier lohnt sich zum einen für ein Bier im Boundary Stone, zum anderen für ein Sonntagabend-Konzert im verruchten Showtime-Keller. Dass sich die Dive Bar auch fürs erste Date eignet, erfährst Du hier.

Bärner Meitschi Jessica hat im Januar 2015 ihre Koffer gepackt, um in Washington DC einen Einblick in die Welt der Diplomatie zu erhalten. Neben beruflichen Höhepunkten entdeckt sie die unerwarteten Reize einer Bürokratenstadt und beschreibt wie sie Amerikas Hauptstadt erlebt.

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