Berner Lokale gegen Food Waste

In der Schweiz werden mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weggeworfen. Das Startup „Too Good To Go“ hat eine App entwickelt, mit der überproduzierte Menüs von Restaurants gerettet werden. Zahlreiche Berner Lokale machen bereits mit.

Nach Angaben des Bundes gehen in der Schweiz mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verloren. Dies entspricht einer Menge von rund 2.3 Millionen Tonnen Esswaren. Heruntergerechnet auf eine Person kommt man auf 300 Kilo pro Jahr.

Um dieser sinnlosen Verschwendung zu begegnen, hat eine Gruppe von dänischen Studenten das Startup „Too Good To Go“ gegründet. Mit der gleichnamigen App können überproduzierte Menüs und Lebensmittel von Restaurants zu einem reduzierten Preis gekauft werden. Seit Juni 2018 ist die App auch in Bern aktiv. Über 20 gastronomische Betriebe sind bereits dabei und es kommen laufend neue dazu.

Win-Win-Win Situation

„Es ist eine Win-Win-Win-Situation“, erklärt Nina, die für „Too Good To Go“ Betriebe in Bern akquiriert. Restaurants müssen ihr übriggebliebenes Essen nicht sinnlos entsorgen, die Kunden bekommen eine günstige, feine Mahlzeit und lernen neue Lokale kennen – und das alles, während wertvolle Ressourcen geschohnt werden.

Test durch Bärner Meitschi Nina

Ich habe mich mit einer Freundin zum Feierabendbier getroffen. Wir haben unseren nächsten Städtetrip geplant, ein zweites Bier getrunken und dann kam gegen halb acht Uhr der kleine Hunger, für den wir nicht viel Geld ausgeben wollten. Der ideale Moment, um die „Too Good To Go“ App zu testen. Wenn man eingeloggt ist, werden einem automatisch die nächstgelegenen Lokale angezeigt, die noch Menüs übrighaben. Wir hatten Glück. Die Energy Kitchen Café-Bar hatte an diesem Abend noch Portionen übrig. Zwei davon kauften wir direkt über die App und machten uns auf den Weg zum Loeb-Egge.

Nicht bei allen Lokalen ist bei der Bestellung ersichtlich, was die Portion genau beinhaltet. Oft handelt es sich um „Überraschungsboxen“. Es gibt eben das, was kurz vor Ladenschluss noch übrig ist. Es besteht jedoch innerhalb der App die Möglichkeit, nach vegetarischen oder sogar veganen Optionen zu filtern.

Bei Energy Kitchen angekommen, mussten wir die Bestellbestätigung auf dem Smartphone vorweisen und durften uns je drei Produkte aus dem Angebot an Salaten, Sandwichs, Suppen, Smoothies und Kuchen aussuchen. Bezahlt haben wir dafür knapp einen Drittel des Normalpreises.

Frische Tortellini für Hobbyköche und Sushi für Nachtschwärmer

Die App ist perfekt geeignet für alle, die nicht um 12 Uhr Zmittag und um 18 Uhr Znacht essen wollen. Für späte Mittagesser lohnt es sich, ab 13 Uhr in die App zu schauen. Aktuell bieten unter anderem folgende Restaurants ihre vom Mittagsbuffet übriggebliebenen Speisen an: Contact take a way, Energy Kitchen Restaurant, R.O.M.I., Royal Punjab und Way to India. Am Abend könnt ihr euer Glück beispielsweise an folgenden Orten versuchen: Energy Kitchen Café-Bar, Falafingo Kiosk, Namaste India und Weyerli Beizli. Sushi mögende Nachtschwärmer können ab 22 Uhr gemischte Sushiplatten im Nooch vor dem Abfall retten. Auch für Leute, die selber kochen möchten, hat die App etwas zu bieten. Die Los Arbequinos AG bietet jeweils dienstags und samstags ab 17 Uhr Leckereien wie Pilze, Oliven und Käse an, die an ihrem Märitstand auf dem Bärenplatz nicht verkauft wurden. Wer italienische Klassiker wie Tortellini oder Gnocchi retten möchte, ist beim Familienbetrieb La Marra in der Länggasse richtig. Die vollständige Auflistung der Restaurants ist in der App zu finden.

Weitere Berner Konzepte gegen Food Waste

Neben „Too Good To Go“ gibt es in Bern bereits seit längerem weitere Konzepte zur Vermeidung von Food Waste. Dazu gehören beispielsweise die Äss-Bar und der Gmüesgarte, über den Bärner Meitschi hier berichtet hat. Und ein erfolgreiches Projekt, um den Food Waste von Privathaushalten zu minimieren, ist „Madame Frigo – Bern isst Bern“. Die Idee dahinter: Aktuell kann man in acht Kühlschränken an öffentlich zugänglichen Plätzen anderen geniessbare Lebensmittel, die nicht selber verwendet werden, kostenlos zur Verfügung stellen.

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