Stempel aus dem Lasercutter

Egal ob auf der Geburtstagskarte oder dem Geschenkpapier: Ein Stempel verleiht verschiedensten Gegenständen eine persönliche Note. Motive ab der Stange sind aber langweilig. Also, ab ins FabLab zum Stempel-DIY!

Zeichenunterricht, sechste Klasse. Mit einem Geissfuss bewaffnet schnitze ich an einer Linoleumplatte. Ein Stempel sollte es geben, wenns fertig ist. Wurde es auch, mit viel Fantasie erkannte man sogar das Motiv. Der hohe Pflasterverbrauch, bedingt durch die scharfen Werkzeuge und meine eigene Ungeschicktheit, schreckten mich aber davon ab, diese Bastelei erneut in Angriff zu nehmen. Schade, denn Oberflächen mit einem eigenen Sujet zu bedecken, finde ich eine tolle Sache. Umso grösser meine Begeisterung, als ich vom Angebot des FabLabs Bern erfahren habe. Stempel könne man dort fabrizieren, oder eher fabrizieren lassen, denn ein Lasercutter übernimmt die Arbeit. Eine solche Verheissung ohne scharfe Gefahren gehört ausprobiert!

Rasanter Cutter

Der Bärner Meitschi Blog ist für unsere Leser das, was das FabLab für Tüftler und Bastler ist.Egal wohin man in diesem Raum blickt, ständig taucht ein spannender Gegenstand im Blickfeld auf. 3D-Drucker, Nähmaschine oder Lasercutter: das Künstlerherz explodiert beinahe. Um den Erfindergeist nicht länger in der Flasche zu lassen, hält Kurt Meister seine Einführung kurz. Wenige Klicks am Computer und schon bittet der FabLab Manager zum Herzstück des Labors. Geschickt platziert er eine Gummimatte auf der Schneidefläche des Lasercutters. Deckel zu, Rauchabzug an, schon flackert der Schneidestrahl auf. Präzise brennt der Lasercutter jene Teile aus der Gummimatte, die beim Stempeln ohne Farbe bleiben sollen. Keine drei Minuten später fischt Kurt das fertige Objekt aus der Maschine. Etwas verbrannt riecht es, sieht aber umso schöner aus.

Ist der Elch zu dünn?

Jetzt bin ich an der Reihe. Mit Unterstützung von Kurt füttere ich den Computer mit Befehlen, verwandle mein mitgebrachtes Elch-Bild in eine druckbare Datei. Ich solle nicht enttäuscht sein, wenn das Motiv als Stempel nicht taugen würde, warnt mich Kurt. Die feinen Linien der Elch-Silhouette könnten beim Stempeln „umkippen“ und das Bild unscharf erscheinen lassen. Besser würden sich dickere Striche oder Flächen eignen, meint der Experte. Allen Bedenken zum Trotz, der Lasercutter spuckt einen perfekten Elch-Stempel aus. Ich klebe das Plastikstück auf einen Holzblock, damit ich einen gleichmässigeren Druck beim Stempeln erreiche. Ein solch filigranes Bild hätte ich auch mit viel Linolschnitt-Übung nicht hingebracht. Der Lasercutter eröffnet ein neues Feld: Stempel mit vielen Details können in kurzer Zeit einfach umgesetzt werden.

Präzision und Perfektion

Vorausgesetzt, man hat Zugriff auf einen Lasercutter. Diesen bietet das FabLab an. Gegen eine Gebühr von 36 Franken pro Stunde kannst du so viele Stempel drucken, wie du willst. Zuvor musst du aber einen Einführungskurs besucht haben, damit du die Maschine richtig bedienen kannst. Auch die anderen Geräte im Raum stehen dir zur Verfügung. Gerade in der kalten, dunkeln Jahreszeit bringen solch kreative Tätigkeiten Farbe in den Alltag. Zum ultimativen DIY-Erlebnis fehlt mir bei der Herstellung des Stempels aus dem Lasercutter aber eine Sache – der Charme. Der Mensch ist reiner Kommandogeber, hat auf die Präzision des Ergebnisses wenig Einfluss. Unikate lassen sich nicht fertigen, der Stempel verkommt zur Massenware. Für viele Projekte mag diese Voraussehbarkeit praktisch sein. Ich rüste mich lieber mit einem Pack Pflaster aus: Der Linolschnitt hat eine zweite Chance verdient.

FabLab Bern
ein Projekt der 89grad GmbH
Eigerstrasse 12
CH-3007 Bern
www.fablab-bern.ch

Fotos: Photoproll

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