Erste Hilfe: Das solltest du als Aaregänger/in wissen (von Gastautor Timi)

Aare_Böötle

Sommerferien! Aareschwümmä und Böötlä! Wir zeigen dir, welche Risiken und Gefahren die Aare mit sich bringt und welche Nothilfe-Skills du kennen solltest.

Die Gefahren der Aare werden oft unterschätzt oder das eigene Können wird überschätzt. Ich, Timothson «Timi», bin Nothilfe-Instruktor bei nohe Schweiz und zeige dir, worauf du beim Schwimmen und Böötlä in der Aare achten musst und welche Erste Hilfe Skills dir in Notsituationen weiterhelfen.

Verhalten bei Wirbel und Strömungen

Bei Wirbeln versuchen die meisten reflexartig wieder nach oben an die Wasseroberfläche zu gelangen. Das dürfte aber auch für die besten Schwimmer schwierig sein, denn die Strömung im Wasser ist so stark, dass man schnell an seine körperlichen Grenzen stösst. In einer solchen Situation ist es wichtig, dass du nicht versuchst, gegen den Wirbel anzukämpfen. Am besten lässt du dich nach unten ziehen und tauchst seitlich ab.

Als Helfer solltest du nicht selber in die Aare springen, um jemanden zu retten. Die Gefahr ist gross, dass du dich dadurch selbst in eine Risikosituation bringst. Versuche, der Person einen Rettungsring oder eine sonstige Schwimmhilfe zuzuwerfen.

Nach unten ziehen lassen und seitlich abtauchen.
Als Aussenstehender Rettungsring oder Schwimmhilfe zuwerfen.

Aare-Schwimmen

Sicher über die Uttiger Schwelle

Viele Aareböötler wassern bewusst erst nach der Uttiger Schwelle ein. Sie ist das einzig wirkliche Hindernis auf der Strecke zwischen Thun und Bern und darf nicht unterschätzt werden. Durch die Rückströmung zieht es die Gummiboote zurück zur Schwelle. Es braucht viel Kraft, um aus dieser Zone rauszukommen. Es wird empfohlen, die Schwelle auf der ruhigeren rechten Seite zu durchfahren.

Rettungsweste tragen (z.B. die stylische von «Aare You Safe?»)
Unter der Schwelle einsteigen
Schwelle auf der rechten Seite durchfahren

Besonders gefährlich ist es, wenn das Boot beim Schwellenübertritt kentert und du ins Wasser fällst. Durch die erhöhten Luftblasen im Wasser trägt dich dort das Wasser weniger gut und du brauchst mehr Kraft, um an der Oberfläche zu bleiben. Darüber hinaus entstehen rotierende Wasserwalzen. Wie du dieser Gefahr entkommst, siehst du in der folgenden Grafik.

wasserwalze_Aare

Kreislaufschock vermeiden

Kürzlich wurden Lufttemperaturen von über 35 Grad gemessen, während die Aare nur knapp 20 Grad warm war. Springst du bei solchen Temperaturunterschieden direkt ins Wasser, riskierst du einen Kreislaufschock. Der Schock kann dazu führen, dass du im Wasser bewusstlos wirst. Wichtig ist daher, dass du dich vor dem Aareschwumm langsam an die Wassertemperatur gewöhnst und niemals direkt mit überhitztem Körper ins Wasser springst.

Vor dem Aareschwumm annässen

Aare_Bern

Hitzschlag vorbeugen

Die Kombination von Sommerhitze und Alkohol ist verheerend. Ich rate euch ab, beim Böötlä alkoholische Getränke zu konsumieren. Alkohol führt zur Dehydrierung des Körpers, was zu einem Hitzeschlag führen kann. Daher viel Wasser trinken und Sonnencrème und Hut nicht vergessen.

Viel Wasser trinken
Sonnencrème verwenden und Hut aufsetzen

Aare-Alkohol

Hitzeschlag erkennen

Du erkennst einen Hitzschlag daran, dass sich die Person über Übelkeit und Kopfschmerzen beschwert. Ihr Kopf ist rot, trocken und bildet keinen Schweiss mehr. Um zu helfen, kannst du folgende Sofortmassnahmen ergreifen:

  1. Suche einen schattigen Platz und lege die betroffene Person mit leicht erhöhtem Oberkörper hin.
  2. Versorge die Person vorsichtig mit Wasser, sofern sie noch etwas zu sich nehmen kann.
  3. Entferne überflüssige Kleidung und versuche, ihr Luft zuzufächern.
  4. Tupfe Kopf, Nacken und Oberkörper mit einem feuchten Lappen ab.

Sollte sich die Situation nicht innerhalb von kurzer Zeit stabilisieren oder wird die Person gar bewusstlos, dann benachrichtige unbedingt die Ambulanz. Eine bewusstlose Person solltest du immer in die Seitenlage bringen, damit sie nicht erstickt, wenn sie sich übergibt.

Aare_Nothilfe_Seitenlage

Ermüdung und Erschöpfung beim Schwimmen

Ein Aareschwumm ist erholsam und bringt die ersehnte Erfrischung. Die Aare verfügt teils über längere Abschnitte ohne geeignete Ausstiegsstellen. Du kannst müde werden, an deine Leistungsgrenzen stossen oder einen Krampf erleiden. Nimm daher immer eine Schwimmhilfe mit. Sie hilft dir, dich über Wasser zu halten.

Mit Schwimmhilfe in die Aare

Tipps bei Krämpfen oder Erschöpfung in der Aare

  1. Ruf um Hilfe! In den meisten Fällen hat es viele andere Böötler und Schwimmer in der Nähe, die dir helfen können.
  2. Gerate nicht in Panik. Wildes Paddeln mit Armen und Beinen schwächt dich weiter.
  3. Erhohle dich und sammle Kraft, um an der nächsten Ausstiegsstelle aus dem Wasser zu steigen. Lass dich auf dem Rücken vom Wasser treiben. Blicke dabei in Abflussrichtung. Mit den Armen kannst du dich von Felsen und anderen Hindernissen wegbewegen. Sobald du eine geeignete Ausstiegsstelle siehst, solltest du frühzeitig darauf hinsteuern, damit genügend Zeit für den Ausstieg bleibt.

Aare-Karte für Böötler und Schwimmer

Die Aare birgt einige gefährliche Stellen. In diesem Zusammenhang hat die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft eine gute Aare-Karte für Böötler und Schwimmer erstellt, die die heiklen Orte auf der Strecke Thun-Bern aufzeigt.

Nothelfer-Skills auffrischen

Die Nothelfer-Skills hast du bestimmt alle schon einmal gehört. Aber kannst du sie im Notfall anwenden? Willst du deine Erste Hilfe Skills auffrischen und vertiefen, dann findest du bei nohe Schweiz den passenden Nothelferkurs mitten in der Stadt Bern.

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Timothson_Nothelfer_Bern
Der Beitrag wurde von Nothilfeinstruktor Timothson geschrieben.

 

 

Titelfoto: Yasmina Heni, purplelens.ch für die «Aare You Safe?»-Kampagne
Fotos: nohe.ch

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