Ein Bärner Meitschi in der Ardèche (von Gastautorin Bettina Studer)

Gastautorin Bettina Studer hat im Süden Frankreichs ein wunderschönes Hotel entdeckt, welches von einem Bärner Meitschi geführt wird. Wieso sie mit hohen Erwartungen in die Ardèche fuhr und was Facebook damit zu tun hat, erzählt sie in ihrem Gastbeitrag.

Manchmal kommt es anders als geplant. Etwa dann, wenn eine Nordeuropareise buchstäblich ins Wasser fällt. So geschehen Ende Juni. Ich sitze in der lettischen Hauptstadt Riga im Regen und will weg. Gelandet bin ich in der Ardèche im Süden Frankreichs. Im wunderschönen Hotel Savel, das im Besitz eines Bärner Meitschis ist.

Hotelfoto auf Facebook mit «Da-will-ich-hin-Effekt»

Drei Wochen wollte ich im Norden Europas verbringen und nun, an Tag fünf, habe ich die Nase bereits gestrichen voll. Es regnet. Nein, es schüttet wie aus Kübeln, die ganze Zeit schon. Das lettische Wetter zeigt sich von seiner schlechtesten Seite, kein schönes Erlebnis. Also plane ich die Flucht in den Süden. Doch wohin? Ich überlege ein wenig und bald ist’s klar: Ich fahre nach Frankreich, in die Ardèche. Warum? Wegen eines Hotelfotos auf Facebook mit dem «Da-will-ich-hin-Effekt».

Während ich auf meinen Flug in die Schweiz warte, buche ich besagtes Hotel für sechs Nächte und ein Mietauto ab Valence. Zuhause angekommen, tausche ich die Regenjacke, die dicken Pullis und die langen Hosen in der Tasche gegen luftige Sommerkleider und mache mich am nächsten Morgen in aller Früh auf den Weg zum Bahnhof. Ab Bern geht es in viereinhalb Stunden via Genf und Lyon bis nach Valence. Dort übernehme ich mein Mietauto und fahre nochmals gut eine Stunde bis nach Ruoms, wo sich das Hotel Savel befindet.

Meine Erwartungen sind hoch: die Fotos und die Kommentare auf Facebook haben ein kleines Paradies versprochen. Und tatsächlich ist es das auch. Beim Blick auf das ehemalige Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert stellen sich sofort gute Laune und ein Feriengefühl ein. «Vive la France» denke ich und melde mich an der Rezeption. Dort nimmt mich Jérôme in Empfang. Hotelbesitzerin Stefanie, ein Bärner Meitschi aus Boll, ist gerade in Paris. Dort laufen Dreharbeiten für das französische Pendant zum deutschen „Mein himmlisches Hotel“, wo Hoteliers gegenseitig ihre Hotels bewerten. Wer gewinnt, wird Ende Jahr bekanntgegeben. Ich bin sicher: das Savel wird das Rennen machen. Es gibt nichts zu bemängeln. Die sechzehn Zimmer sind geräumig, liebevoll eingerichtet, schlicht und hell. Perfekt, um sich nach einem erlebnisreichen Tag zu erholen. Nachts ist es ruhig, die Betten sind bequem, nichts stört den Schlaf. Ich bin mit dem Regen im Norden versöhnt und bereits hundertfach entschädigt.

Der Traum vom eigenen Hotel im Süden Frankreichs

Am nächsten Tag treffe ich Stefanie. Nach einem üppigen Frühstück mit Früchten, Joghurt, Müesli, Brot, Käse und natürlich Croissants setze ich mich mit ihr auf die Hotelterrasse in den Schatten der mächtigen Platanen. Ich will ein bisschen mehr über ihr Leben als Hotelbesitzerin in der Ardèche wissen.

Stefanie, ein Bärner Meitschi in der Ardèche, wie kommts?

Ich habe schon immer davon geträumt ein Hotel im Süden Frankreichs zu führen. Nach der Hotelfachschule in Thun konnte ich die Leitung eines Hotels in der Ardèche übernehmen. Bereits in der ersten Woche habe ich mich in die Region verliebt und wusste, dass ich nicht mehr in die Schweiz zurückkehren werde.

Nun lebst du bereits sechs Jahre in der Ardèche und bist seit letztem Jahr Hotelbesitzerin

Das Haus war im Internet zum Verkauf ausgeschrieben. Bei der Besichtigung hatte ich keinen guten Eindruck. Alles wirkte heruntergekommen und es stank fürchterlich. Trotzdem konnte ich in der Nacht nicht schlafen. Das Hotel ging mir nicht aus dem Kopf. Plötzlich sah ich das Potenzial des alten Herrenhauses mit dem grossen Garten und dem direkten Zugang zum Fluss und wusste: Das ist es.

Damit war der Kauf beschlossene Sache. Was folgte, war das grosse Renovieren

Wir haben fast nur die Mauern stehen lassen. Im Innern des Hauses musste mehr oder weniger alles gemacht werden. Die Zimmer, die Bäder, das Restaurant, einfach alles. Dabei kam so manche Überraschung zu Tage. Unter den Laminatböden etwa, verbarg sich ein Teppich, unter diesem wiederum Beton und darunter kamen jene Holzböden zum Vorschein, die den Zimmern heute so viel Charme verleihen.

Nach all den Arbeiten konntest du dein Hotel im März eröffnen. Entstanden ist ein kleines Bijou. Das finde nicht nur ich, sondern auch die anderen Gäste

Wir erhalten sehr viele erfreuliche Rückmeldungen. Den Leuten gefällt es in der Regel sehr gut im Savel. Die meisten fühlen sich in dem einzigartigen Haus mit der steinernen Fassade und den hohen Räumen auf Anhieb wohl. Natürlich wirkt sich auch die Lage am Fluss positiv aus. Jetzt im Sommer kann man super baden und sich abkühlen. Zudem wird das Hotel sehr persönlich geführt. Das mögen die Gäste.

Für dich bedeutet dieses Hotel sehr viel Arbeit. Du bist von früh morgens bis spät abends auf den Beinen. Ein Knochenjob?

Ja, es ist streng. Aber die Arbeit macht mir grosse Freude. Ich habe gerne Menschen um mich und schätze die Kontakte mit den Gästen. Natürlich ist es damit nicht getan: Ich putze auch und bügle, giesse Pflanzen und dekoriere. Zudem kümmere ich mich ums Marketing und um die Webseite, mache Bestellungen und übernehme am Abend im Restaurant den Service, bevor es es am nächsten Morgen mit dem Bereitmachen des Frühstücks wieder losgeht. Ich kann alles entscheiden, mache aber auch alles und bin für alles verantwortlich.

Du hast in kurzer Zeit bereits sehr viel erreicht. Auf den Lorbeeren ausruhen willst du dich aber nicht. Welche weiteren Veränderungen im und ums Haus sind geplant?

Ich möchte den zweiten Stock renovieren und zusätzliche Familienzimmer einrichten. Zudem schwebt mir ein kleiner aber feiner Wellnessbereich mit Jacuzzi und Sauna vor. Der Garten soll noch romantischer und verwunschener werden, aber das braucht Zeit.

Gutes Preis-Leistungsverhältnis für ein 3-Sterne-Hotel

Unter Stefanies Leitung hat das Hotel Savel bereits einen dritten Stern erhalten. Absolut verdient, finde ich. Das Preis-Leistungsverhältnis ist angemessen. Das günstigste Zimmer kostet pro Nacht 65 Euro, das teuerste 82 Euro. Ein Familienzimmer gibt es für 92 Euro. Zum Zimmer hinzu gebucht werden kann ein reichhaltiges Frühstück. Jeden Abend, ausser dienstags, werden im Restaurant verschiedene leckere Gerichte serviert.

Für aktive Menschen wie mich, hat Stefanie jede Menge tolle Ausflugstipps bereit. Ich habe diverse Wanderungen gemacht, hübsche mittelalterliche Dörfer besichtigt und allerlei Märkte besucht.

Am siebten Tag ist es dann aber vorbei mit der Herrlichkeit. Ich reise ab, schwer beladen mit Fundstücken aus der Natur und Flohmarktschnäppchen. Ich weiss, ich komme wieder, dann aber gleich mit dem Auto. Im Kofferraum haben definitiv mehr Dinge Platz als in einer Tasche.


D

ie Ardèche liegt im Süden Frankreichs. Es ist ein Departement voller Entdeckungen. Sei es wegen der berühmten Schluchten, der mittelalterlichen Dörfer, der Höhlen, der Burgen oder der zahlreichen Märkte. Die Ardèche bietet für alle etwas. Besonders beliebt ist das Gebiet bei Naturliebhabern und Sportbegeisterten. Der Fluss Ardèche ist nicht nur ein Paradies für Kanu- und Kajakfahrer sondern eignet sich auch fürs Canyoning. In den Schluchten locken zahlreiche Wanderwege, Mountainbiker und Rennvelofahrer kommen in der Region ebenfalls nicht zu kurz.

Familien finden überall wunderschöne Badeplätze, an denen auch kleine Kinder sicher im Wasser planschen können. Hunde sind willkommen, wenn sie gut erzogen sind.

Essen und Trinken lässt es sich in der Ardèche ganz vorzüglich, so wie vielerorts in Frankreich. Die lokalen Köche schöpfen dank Produkten aus den Bergen, den Flüssen und den Wäldern aus dem Vollen. Allgegenwärtig sind Maroni, als Konfitüre, Suppe, oder als Beilage. Direkt aus den Flüssen stammen Krebse, Forellen, Saiblinge und andere Süsswasserfische. An die mediterrane Küche erinnern Ziegen- und Schafskäse, Oliven, Olivenöl und -paste sowie zahlreiche Kräuter. Es gibt Weissweine, Rotweine und Rosé, aus der Gegend, vor allem aus den Rebsorten Chardonnay, Viognier, Sauvignon, Syrah, Cabernet und Merlot.


Hotel Savel
38 Rue des Brasseries
07120 Ruoms, France
hotel-savel.com
Mail: accueil@hotel-savel.com
Telefon: +33 (0)4 75 39 60 02

Fotos im Beitrag: Bettina Studer.
Beitragsbild: Hotel Savel.


Bettina Studer ist ein Berner Landei seit Geburt und eine Stadtbernerin seit 12 Jahren. Die Radiojournalistin ist gerne und so oft wie möglich jenseits der Heimat im nahen und fernen Ausland unterwegs, Heimweh nach Bern inklusive. Sie ist ein Bewegungsmensch; ohne Sport geht es nicht. Und auch nicht ohne Garten. Der ist ihr Ort zum Entspannen.

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