Drei Tage in Marrakesch

Marrakesch gilt seit einiger Zeit als Trenddestination. Bärner Meitschi Caroline verbrachte vor zwei Wochen ein verlängertes Wochenende in der roten Stadt und schildert in ihrem Beitrag, wie ein solcher Kurztrip aussehen könnte. 

Marrakesch – irgendwie scheinen in letzter Zeit alle dorthin reisen zu wollen. Zugegeben, der Besuch des Jardin Majorelle stand auch schon lange auf meiner Bucketlist. Und so freute ich mich sehr, als ich für eine Medienreise nach Marrakesch angefragt wurde. Ich kann schon vorwegnehmen, dass mir das verlängerte Wochenende in der marokkanischen Stadt sehr gut gefallen hat, auch wenn es ein kleiner Kulturschock war und ich die Stadt manchmal als sehr hektisch empfand. Doch das ist ja das spannende an einer solchen Reise: man lernt eine andere Kultur kennen, man sammelt neue Eindrücke und man entflieht dem Alltag.

Los ging’s an einem Freitag kurz nach 16h mit Edelweiss. Etwas mehr als drei Stunden später kamen wir in der roten Stadt an und fuhren direkt zu unserem Hotel in der Nähe der Medina (Altstadt). Wer nur einige Tage in Marrakesch verbringt, dem empfehle ich auf jeden Fall, ein Hotel in der Nähe des Djema el Fna, dem zentralen Marktplatz, zu nehmen. So sind nämlich viele Sehenswürdigkeiten zu Fuss erreichbar. Der soeben genannte Platz ist abends sehr gut besucht: marokkanische Familien kommen dort zusammen, um zu essen, Händler verkaufen frischen Orangensaft und man sieht Schlangenbeschwörer (davon macht man übrigens besser keine Fotos, da man sofort zur Kasse gebeten wird).
Wir besuchten am ersten Abend den Souk, um uns ein erstes Bild davon zu machen. Wir waren zu dritt unterwegs, drei Frauen, und ich war froh, dass ich nicht alleine war. Erstens einmal ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich in diesem Labyrinth verirrt, zweitens ist es als westliche Frau nicht sehr angenehm, von all den Händlern angesprochen und angegafft zu werden. Mein Tipp: Blickkontakt mit den Männern vermeiden und nur dort anhalten, wo man sich wirklich für eine Ware interessiert.

Versteht mich nicht falsch, der Souk ist ein interessanter Ort, wo man viele Sachen zu sehen kriegt und wo es vor allem um das Eine geht: das Feilschen. Und das kann richtig Spass machen. Der Verkäufer nennt seinen Preis, der Käufer geht um die Hälfte runter, der Verkäufer geht wieder rauf, der Käufer wieder runter – dieser Tango geht weiter, bis beide zufrieden sind.

Ich habe auf dem Souk eine wunderschöne Obstschale, eine geflochtene Korbtasche (die ich diesen Sommer im Marzili ausführen werde) und typische marokkanische Teegläser gekauft.

Am Samstagmorgen waren wir früh auf den Beinen, um mit unserem Guide Hassan die Medina zu erkunden. Wir schlenderten durch die schmalen Gassen, schauten uns mehrere Museen an (siehe Tipps unten) und erfuhren einiges über das Leben in Marrakesch. Zum Beispiel, dass es in jedem Quartier immer einen Hammam, ein Gebetshaus und eine Backstube gibt. Der Teig wird üblicherweise zu Hause zubereitet, aber in den Backstuben gebacken, weil nicht alle einen Ofen besitzen. Und tatsächlich haben wir viele Frauen gesehen, die mit flachen Brotteigen Richtung Backstube gingen.
Von Hassan erfuhren wir, dass die Häuser der Medina von aussen alle gleich aussehen – es sind alles Häuser mit rötlich Backsteinen – weil man seinen Reichtum gegen aussen nicht zeigen wolle. Es würden sich hinter den Mauern aber wahre Schätze verstecken. Die typischen marokkanischen Häuser in der Medina sind die Riads, in dessen Mitte ein Garten steht. Meistens hört man in diesen Gärten nichts von der hektischen Aussenwelt, es sind kleine Oasen inmitten der Stadt.

Am Samstagnachmittag besuchten wir den Jardin Majorelle, dessen Wahrzeichen das Kobaltblau Bleu-Majorelle ist. Der Garten gehörte dem französischen Maler Jacques Majorelle und wurde nach dessen Tod im Jahre 1980 von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé aufgekauft. Der französische Modedesigner verbrachte nach seinem Abschied vom Modegeschäft viel Zeit in diesem Garten, den er zu seinem Rückzugsort erkoren hatte und wo nach seinem Tod im 2008 ein Memorial errichtet wurde. Der Garten besteht aus Palmen, Kakteen, Bambussbäumen und Bougainvilleen. Es gibt mehrere Wasserstellen mit Springbrunnen, die alle in Kobaltblau leuchten.

Der Ort ist wunderschön, man will all die Farben einsaugen und man kommt nicht umhin, des verstorbenen Grand Couturiers zu gedenken.

Abends kam es dann zu meinem persönlichen Superhighlight: Der Kochkurs im Riad Monceau mit der bekannten Köchin Rachida Shanoune. Es hat unglaublich Spass gemacht und die Vorfreude auf das Verspeisen der selber gekochten Briouates und der Tajine war riesig! Ich wollte schon immer solche Teigtaschen selber machen, die Briouates sind ähnlich wie die indischen Samosas. Und wenn man den Trick fürs Drehen des Teiges gelernt hat, damit es schöne Dreiecke gibt, fühlt man sich fast ein bisschen stolz.

Sonntags machten wir zuerst einen Ausflug nach Ourika, wo die Schweizerin Christine Ferrari eine Safranfarm aufgebaut hat. Abgesehen davon, dass der Besuch sehr interessant war (Infos und Fotos weiter unten), fand ich vor allem die Fahrt dorthin interessant, weil ich die Landschaft rundum Marrakesch zu sehen bekam: Aride Wüstenflächen, einfache Häuser in der typisch roten Farbe, Palmen, viele Olivenbäume, Töpfereien am Strassenrand und weiter hinten das Atlas-Gebirge. Ich hatte das Gefühl, ich könnte stundenlang so durch die Landschaft fahren.
Am späteren Nachmittag ging es dann zurück in die Stadt, wo wir den Musée de la Palmeraie besuchten. Im Museum werden marokkanische Gegenwartskünstler ausgestellt, zudem gibt es verschiedene Gärten. Der Kakteengarten war ziemlich eindrücklich, das lässt den eigenen Kaktus sehr klein aussehen.

Am Montagmorgen gönnte ich mir eine marokkanische Gesichtspflege im Spa und genoss den Pool des Hotels. Es war an der Sonne über 25 Grad warm und es fühlte sich unglaublich gut an, wieder einmal richtig Sonne zu tanken. Und als ich um 21h wieder in Zürich landete, hatte ich das Gefühl, viel länger weggewesen zu sein.

Fazit:

Das Wirrwarr im Souk, der angsteinflössende Verkehr, der Lärm: Marrakesch ist eine vibrierende, hektische Stadt. Doch in der roten Stadt verstecken sich zahlreiche Oasen und wer diese gefunden hat, will nicht mehr weg.

Nützliche Infos & Adressen

An- und Rückreise:

Edelweiss fliegt von Mitte September bis Mitte Mai direkt nach Marrakesch.
Preis: Economy Hin- und Rückflug ab 249 Franken.
Flugtage: bis Ende März jeweils am Montag und Freitag; ab April jeweils Dienstag und Freitag.
Flugdauer: ca. 3h30.
Alle Infos unter: www. flyedelweiss.com.

Bekleidung:

Ich hatte mich vor der Reise informiert und gelesen, dass die Schultern immer bedeckt sein sollten und man keine nackten Beine zeigen sollte. Hotpants und Spaghettiträger gehören also nicht in den Koffer. Im Hotel ist es natürlich etwas anders, da kann man sich eigentlich wie zu Hause fühlen. In der Villa des Orangers war es jedenfalls so.
Ich erachte es als wichtig und respektvoll, dass man sich als Touristin und als Tourist an die Gepflogenheiten und an die Kultur anpasst.

Hotel:

Ich kann die Villa des Orangers wärmstens empfehlen. Die Preise sind nicht ganz billig, aber wer sich etwas Schönes leisten möchte, wird sich dort gut aufgehoben fühlen. Mein Zimmer war doppelstöckig mit einer eigenen Terrasse und Zugang zum Pool auf dem Dach. Es war einfach herrlich!

Villa des Orangers
6, Rue Sidi Mimoun, 40 000 Marrakech.

Restaurants:

  • Kochkurs mit Rachida Shanoune, Riad Monceau. 7/8 derb Chaabane, Rue Riad Zitoun el Kdi, 40 000 Marrakech.
  • Für leckere Tajines empfehle ich das Restaurant La Sultana mit seiner wunderschönen Terrasse.
    403 rue de la Kasbah, 40 000 Marrakech.
  • Und wer sich den ultimativen Gaumenluxus leisten möchte, dem empfehle ich das Mes’Lalla im Mandarin Oriental, wo die renommierte Köchin Meryem Cherkaoui traditionelle marokkanische Küche auf ihre Art neu interpretiert. Route du Golf Royal, 40 000 Marrakech.

Museen:

  • Sehr zu empfehlen: Maison de la Photographie, wo es eine Dachterrasse gibt, von der man über die Stadt blicken kann. 46 Rue Bin Lafnadek, 40 030 Marrakech.
  • Hier gelingen die schönsten Fotos: In alten Koranschule Medersa Ben Youssef gibt es wunderschöne Mauern mit farbigen Kacheln. Kaat Benahid, 40 000 Marrakech.
  • Jardin Majorelle, Rue Yves Saint Laurent, 40 000 Marrakesch.
  • Musée de la Palmeraie, Dar Tounsi, Route de Fès, 40 000 Marrakech

Le Paradis du Safran:

Die Safranfarm von Christine Ferrari befindet sich 31km von Marrakesch, Richtung Ourika. Für all jene, die für einige Stunden der Hektik Marrakeschs entfliehen wollen, ist dies der ideale Ort. Während des Safranseminars erfährt man, dass 90 Prozent des Safrans auf dem Markt in Marrakesch eine Fälschung ist. Um herauszufinden, ob es sich im Souk um echten Safran handelt, rät Christine Ferrari, einige Safranfäden auf die Handfläche zu legen und sie mit einem befeuchteten Finger zu zerreiben. Wenn die Hand gelb wird, so ist das rote Gold echt. Wenn aber – und das sei in den meisten Fällen so – nichts passiert, so ist der Safran eine Fälschung.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Edelweiss und Marokko Tourismus für die Einladung und Reise, es war ein sehr schöner und lehrreicher Aufenthalt. Shukran!

Fotos: Littlecity.ch

4 Comments

  • 22. Februar 2016 19:36

    Hach da werde ich gleich wieder zurück versetzt und möchte wieder an die Wärme… 🙂 Sehr schöner Beitrag. Die Dachterrasse beim Musée de la Photographie ist echt ein richtiger Geheimtipp! Hat uns sehr gefreut Caro, dich in Marrakesch kennen zu lernen.

    Liebe Grüsse,
    Valeria

    • Caroline
      22. Februar 2016 22:15

      Liebe Valeria, es hat mich auch sehr gefreut, euch beide kennenzulernen. Und ich will das Tajine-Rezept auch mal nachkochen 😉
      Liebe Grüsse, Caroline

  • 21. April 2019 14:41

    Toller Bericht über mein geliebtes Marrakesch! Ich, Bernerin, lebe schon 15 jahre 20 km südlich von Marrakesch! Weit ab von der Hektik auf einem Hügel, mein Nachbar ist der hohe Atlas , meine 7 Esel, 4 Hunde, Hühner und Enten! 3 ha Land mit vielen olivenbäume.
    Kommt mich doch auch einmal besuchen, Doris Nufer

    • Ramona
      8. Mai 2019 11:10

      Liebe Doris
      Vielen lieben Dank – das würden wir sehr gerne.
      Im Herbst plane ich nach Marokko zu reisen. Ich würde mich freuen, wenn du mir deine Koordinaten auf ramona@baerner-meitschi.ch senden würdest. Herzliche Grüsse nach Marrakesch, Ramona vom Bärner Meitschi Team

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