Fremdgehen in Domodossola

Zugegeben, ich war untreu. Ich war in Domodossola auf dem Markt anstatt in Bern. Aber das war’s dann bereits mit dem Fremdgehen. Einen Italiener habe ich mir nicht angelacht. Cappuccino getrunken, Dolci gefuttert, Trüffelkäse und Oliven gekauft – das habe ich. Und einen Spaziergang gemacht.

Auf nach Italien

Bis letzten Samstag war ich noch nie auf dem Markt in Domodossola. Nicht etwa, weil ich nichts von seiner Existenz gewusst hätte. Mich schreckten die Massen ab, die Woche für Woche in die italienische Provinzstadt pilgern. „Aber“, so dachte ich, „wenn so viele hingehen, muss etwas dran sein“. Also legte ich meine Bedenken beiseite, stieg frühmorgens in Bern in den Zug und liess mich in weniger als zwei Stunden nach Domo chauffieren.

Domos Piazza del Mercato

Anstatt mit der Herde in Richtung Altstadt zu trotten, scherte ich aus und warf erst einmal einen Blick auf die Trödelstände auf der Piazza Giacomo Matteotti vor dem Bahnhof. Antike Schätze entdeckte ich allerdings keine.

Weiter ging es durch die Gassen zur Piazza del Mercato, wo seit hunderten Jahren ein Wochenmarkt stattfindet. Bereits auf dem Weg dorthin, kam ich an zahlreichen Marktständen vorbei. Die meisten hatten Kleider, Schuhe, Taschen, Haushaltsgegenstände sowie schlicht und einfach Ramsch im Angebot. Ich liess sie links liegen. Mich interessierten viel mehr die kulinarischen Köstlichkeiten aus der Region: Käse- und Fleischwaren, Früchte, Gemüse, frische Pasta, Antipasti und Dolci.

Rauf auf den Berg

Meine Kauflaune hielt sich in Grenzen. Deshalb setzte ich mich bald am Rande der Piazza del Mercato in ein Café, trank wie viele andere Svizzeri einen Cappuccino und schaute eine Weile dem Treiben und Feilschen auf dem Platz zu.  Dann war mir nach ein wenig Ruhe. Ich liess das Gewimmel der Stadt hinter mir und spazierte durch einen Kastanienwald hoch zum Sacro Monte Calvario, zum heiligen Kalvarienberg.

Auf dem Pilgerweg

Wie immer wollte ich noch um die nächste Ecke schauen und ging weiter.  Auf dem Pilgerweg, der von Domodossola bis ins Walliser Saastal führt, wanderte ich bis ins winzige Steindorf Anzuno. Und dort, hoch über dem Tal, war klar: „Domodossola kann mehr als Markt“.

Übrigens: nächsten Samstag halte ich Bern wieder die Treue und gehe dort auf den Märit. Der ist und bleibt für mich nämlich der schönste. Nach Domo fahre ich ein andermal unter der Woche, wenn die Gassen weniger voll sind.

 

 

 

1 Comment

  • Allenbach
    16. November 2017 14:52

    Hallo Bettina Wollte dir grad vorschlagen, Domo während der Woche zu besuchen. Ich mag Domo und die Umgebung, nicht aber den Markt. Es nervt mich, weil so viele Chinesen die Stände betreiben. Schöne Fotos.. Danke. gruss evelyne

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